"In the summer of 1992, Eric Bachman, an American living in Germany, set up electronic bulletin-board systems (BBSs) at the Center for Anti-War Action in Belgrade, the Anti-War Campaign in Zagreb and the Center for the Culture of Peace and Nonviolence in Ljubljana. The BBS computers were used for other purposes during the day, as were the phonelines. The system operators were likewise part-time volunteers. Nevertheless, the ZaMir network, as it was called, made it possible to send e-mail from one republic to another overnight. A BBS outside Yugoslavia relayed the messages when telephone service between Zagreb and Belgrade ceased."
Source: Robert Horvitz, Final Report: Balkan Media Network


Ivo Skoric: Peace Network in the War Zone: link)
Wam Kat: Zagreb Diary, 1993-1995: link)
Wam Kat: link)
Rena Tangens und padeluun: link) link)
Robert Horvitz: Final Report: Balkan Media Network, 1996, link)
Masha Gessen: Balkans Online, Wired 3.11, 1995, link)

Seit 1991 existiert in Ex-Jugoslawien das ZAMIR-Netz (”za mir” ist serbokroatisch und bedeutet “für den Frieden”) - ein Mailbox-Verbund, über den schon während des Krieges Hunderte von Anti-Kriegs-Gruppen in den verschiedenen Teilen des früheren Jugoslawiens untereinander Kontakt hielten. Da die direkten Telefonverbindungen frühzeitig gekappt worden waren, lief der Datentransfer über die 1987 begründete BIONIC Mailbox in Bielefeld, die seit Jahren einen wichtigen Knotenpunkt mehrerer Mailbox-Netze bildet (Z-Netz, /CL-Netz, Zamir).


Als 1991 die Kriegsgegner und Menschenrechtsgruppen in Ex-Jugoslawien begannen, sich zu organisieren, stießen sie auf massive technische Kommunikationsprobleme. Der Krieg, der in Kroatien ausgebrochen war, hatte die herkömmlichen Nachrichtenkanäle zerstört. Nicht nur, daß es unmöglich geworden war, von Kroatien nach Serbien zu reisen, auch die Post- und Telefonverbindungen zwischen den beiden Republiken waren weitgehend unterbrochen. Zagreb und Belgrad waren praktisch voneinander abgeschnitten.

Nur zu Nachtzeiten kamen auf den wenigen, überlasteten Leitungen, die übrig waren, Verbindungen zustande. Einzig die Telefonverbindungen ins Ausland waren erstaunlicherweise erhalten geblieben. Die Kommunikation mit Modems und Computern Müßte daher funktionieren, fand Eric Bachman, Online-Spezialist von der Bielefelder Bionic-Mailbox. Also brach Bachman 1991/92 von Ostwestfalen aus in dfas Kriegsgebiet auf und machte sich an die Errichtung des Zamir-Netzes. Die Friedensgruppen in Jugoslawien erhielten von ihm Modems, und Bachman gelang es, zunächst eine Verbindung zwischen dem bestehenden AdriaNet und dem britischen GreenNet aufzubauen.

Zusammen mit Wam Kat, einem niederländischen Freiwilligen, entstanden im Juli 1992 zwei weitere Mailboxen in Zagreb und Belgrad - Zamir-ZG und Zamir-BG. Ein alter Laptop mußte zunächst genügen. Als Knoten zwischenden beiden Rechnern diente die Bielefelder Bionic, die über das Zerberus-Netz die Internet-Anbindung bereitstellte. Damit war nicht nur der Nachrichtenaustausch zwischen den beiden Städten, sondern mit der ganzen Welt möglich.


“When we first started in Zagreb in June 1993, we used a computer borrowed from a Dutch volunteer and a fax line which we were able to use for. a couple of hours after midnight,” said Bachman in London last week. Still desperately short of funds. ZaMir now has computers in Zagreb and Belgrade, established within a week of each other, and, since 1994, in Ljubljana, Sarajevo; and Pristina. It installed a computer in Tuzla [in 1995], giving people in the Muslim-controlled part of Bosnia access to e-mail for the first time. Only in Zagreb and Belgrade are users charged for the service.

When Eric reached Sarajevo in February 1994, outgoing telephone calls were almost impossible. Within three weeks he managed to get a server running, with ZaMir’s server in Geneva dialling through once a day to pick up e-mail messages. These could be sent elsewhere in the network and, through GreenNet in London, worldwide.

By 1995, there was often no electricity, and ZaMir shared the emergency generator of the International Rescue Committee, located near the government offices, which came under frequent shelling. When the IRC's offices were destroyed by a 500lb bomb that flattened the government building next door, ZaMir lost its access to a generator, and Bachman had to make a perilous nighttime journey over Mount Igman to get a pair of lorry batteries to power the computers.

ZaMir does not yet have full Internet connectivity, or a Web site, but Bachman has helped the Soros Foundation set up Bosnia’s first Internet connection at the University of Sarajevo, where 10 computers will soon have access to the Internet via a satellite link.

Bachman says Soros has bought the equipment in order to set up an Internet server for the entire country, but the problem, as ever, is lack of telephone lines.

ZaMir is co-operating with Peacenet, a US-based organisation, in setting up a searchable database of refugees from ex-Yugoslavia called the People Finder Service. Peacenet's Ed Agro describes Bachman as "one of the unsung heroes of the Balkan wars".


Das Zamir-Mailboxnetzwerk ist der erste erfolgreiche Versuch des Projekts "Communication Aid", mit moderner Kommunikationstechnik im Jugoslawienkrieg der Menschlichkeit zu dienen. Eine Reihe von Gruppen und Freiwilligen tragen das Projekt, voran das Zentrum für Kultur und Frieden in Ljubljana, das deutsche Zerberus-Mailboxnetz mit den DFÃœ-Legenden padeluun und Rena Tangens von der Bielefelder Bionic-Mailbox, GreenNet (London), Link-ATU (Wien), APC, CL-Netz und andere. Finanzielle Unterstützung erhalten sie u.a. von internationalen Menschenrechtsgruppen.

(Im Mai 1996) überziehen sechs Zamir-Mailboxen das ehemalige Jugoslawien: in Belgrad, Zagreb, Ljubljana, Pristina, Sarajevo und Tuzla. Hochwertige Modems erlauben - trotz schlechter Leitungsqualität - bis zu zwölfmal täglich einen Datenaustausch zwischen den Systemen. Unterbrechungsfreie Stromversorgungen überbrücken häufige Stromausfälle.


1996 ist das Netzwerk ZaMir finanziell zusammengebrochen, da die Soros-Stiftung ihre Unterstützung nach fünf Jahren einstellte. Die Stiftung argumentierte, dass sich das Netz jetzt selbst finanzieren oder eine andere Geldquelle finden müsse. ZaMir hat auch ohne das Geld von Soros noch einige Zeit weitergearbeitet, aber bei der Mailbox Bionic in Deutschland waren 40.000 Mark Schulden aufgelaufen. Der Rechner in Bielefeld hatte einen großen Teil der Verbindungen zu den anderen Knoten von ZaMir übernommen, hauptsächlich nach Sarajevo. Das ist heute nicht mehr möglich, und so hat nur der Knoten von Zagreb überlebt. Das Mailboxen-System, das sich unter extremen Kriegsbedingungen bewährt hat, genügte den zivilen Ansprüchen nach dem Krieg nicht mehr. Die Welt des Word Wide Web weckt bei vielen neue Begehrlichkeiten nach bunten Bildern und Unterhaltung.

Contributors to this page: 1.0 .
Page last modified on Sunday 20 of July, 2008 19:04:58 CEST by 1.0.